Der Gardasee – oder wie die Italiener sagen: Lago di Garda, was doch deutlich schöner klingt – ist der größte See Italiens. Er liegt – wenn man sich Italien als Stiefel vorstellt – genau dort, wo die Schnürsenkel beginnen, also zwischen den Alpen und der Po-Ebene. Der Gardasee ist ein Paradies für Wassersportler, Wanderfreunde, Sonnenanbeter und Feinschmecker. Rund um den See werden herrliche Weine und Olivenöle produziert, es gibt – wie überall in Italien – an jeder Ecke eine Gelateria, und was das Essen betrifft, ist es am Gardasee keine Nebensache, sondern fast schon eine Religion. Also bestellen Sie nicht nur eine dieser köstlichen Pizzen, sondern auch handgemachte Tortellini, gegrillten Barsch oder frische Sardinen, die direkt aus dem See auf Ihrem Teller landen.
In diesem Beitrag zeige ich dir meine persönlichen Highlights und gebe dir Tipps, was du im Süden des Gardasees unbedingt unternehmen solltest.
Was muss man gesehen haben?
Peschiera del Garda

Was musste hier früher wohl geschützt werden, fragt man sich, wenn man die Befestigungsanlagen rund um die Stadt sieht. Die Antwort: der Fluss Mincio. Bevor ich das historische Zentrum mit seinen vielen Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants durch die Stadttore betrete, mache ich einen Spaziergang über die Festungsmauern und entlang des breiten Grabens.

Zum Mittagessen ist es noch zu früh, also begnüge ich mich mit einem Cappuccino, den ich im Pavillon trinke, einem schönen Hotel und Restaurant direkt außerhalb der Mauern am Mincio mit Blick auf die Boote und bunten Häuser. Und ja, auch dieser Cappuccino hat mir wieder hervorragend geschmeckt, denn einen guten Cappuccino zu machen, das können die Italiener wirklich. Hast du schon Hunger? Man sagt, dass man bei Raffilu und in der Osteria Rivelin sehr gut essen kann.
Halbinsel Sirmione
Das autofreie Sirmione, gelegen auf einer Landzunge im südlichen Gardasee, ist ein echtes Postkartenmotiv. Für die schönste Aussicht erklimmt man die 146 Stufen der Türme von Castello Scaligero. Natürlich gibt es im historischen Zentrum eine Kirche, viele Terrassen auf der Piazza Giosuè Garducci und an der Spitze der Halbinsel die Grotten des Catull. Unbedingt einen Spaziergang am See entlang machen, die Badesachen nicht vergessen, denn an vielen Stellen kann man ins Wasser. Besonders gut soll man im Il Girasole und in der Tavernetta Maria Callas essen. Aber wie du vielleicht schon merkst: Ich schreibe nicht umsonst, dass Sirmione ein Postkartenmotiv sein muss, denn weiter als bis zum letzten Parkplatz vor der Stadt bin ich nicht gekommen.

Ich war vor der Menschenmenge gewarnt worden – man sprach von Pisa-gleichen Zuständen – aber dass es wirklich überhaupt keinen freien Parkplatz gab, hatte ich dann doch nicht erwartet. Also drehte ich um, ohne auch nur etwas gesehen zu haben, und habe lediglich ein “aus der Ferne”-Foto von Sirmione. Mein ausdrücklicher Tipp: komm entweder früh morgens, spät am Tag, oder mit dem Fahrrad oder Motorroller. Alternativ kannst du ein Ticket für das Hop-on-Hop-off-Boot von Navigarda kaufen, das dich zu verschiedenen Orten am See bringt.
Desenzano
Als sich die Gletscher am Ende der Eiszeit zurückzogen, war das Gebiet rund um das heutige Desenzano der erste bewohnbare Ort am Gardasee. Funde aus dieser Zeit sind im archäologischen Museum zu sehen. Heute ist Desenzano mit 29.000 Einwohnern die größte Stadt am See. Dennoch geht es hier nicht übermäßig geschäftig zu und man kann entspannt durch die autofreien Gässchen mit vielen schönen Boutiquen schlendern. Geh auch unbedingt zum Pier und trinke einen Espresso oder Aperitif – je nachdem, worauf du Lust hast – auf der Piazza Malvezzi oder am Port Vecchio, dem alten Hafen.

Für eine schöne Aussicht erklimme den Turm des Castello Medievale. Und wenn der Magen knurrt: Versuch, einen Platz auf der einladenden Terrasse der La Frasca Osteria zu bekommen, oder iss, wie ich, in der Trattoria Alessi in einer schmalen Gasse in Richtung See. Ihre rot-weiß karierten Tischdecken verrieten mir schon, dass es hier gutes Essen geben musste – und das war auch so.
Interessant ist auch, dass die Italiener fast immer “Grazie mille” sagen, wenn sie sich bedanken – selbst für Kleinigkeiten wie das Weiterreichen des Salzes. Während wir “tausend Dank” nur bei besonderen Anlässen sagen würden, ist es hier ganz normal.
Borghetto sul Mincio
Borghetto wurde offiziell als eines der schönsten Dörfer Italiens ausgezeichnet („I borghi più belli d’Italia“) und natürlich musste ich dort hin. Die Strecke dorthin, etwa 10 Kilometer südlich von Peschiera del Garda, war schon ein Erlebnis: eine wunderschöne grüne Landschaft mit Weinreben, Olivenbäumen und Bauernhöfen.
Dass ich manchmal im Schneckentempo hinter einem Traktor herfuhr, nahm ich gern in Kauf. Schon bei der Ankunft war ich verliebt in dieses winzige mittelalterliche Dorf mit nur wenigen Häusern und Wassermühlen. Einige dieser Mühlen werden noch heute zur Verarbeitung von Weizen und Reis genutzt. Borghetto ist ein Ort, an dem man einfach nicht aufhören kann, Fotos zu machen – vom Fluss Mincio, den Ruinen der Visconti-Brücke und der Burg Castello Scaligero auf dem Hügel.
Zudem ist Borghetto ein gastronomisches Paradies. Weil man am besten die Einheimischen fragt, wo sie essen gehen würden, fragte ich die Besitzerin eines Ladens, in dem es herrlich duftete – kein Wunder, sie verkauft selbstgemachte Kleidung, Seifen und ätherische Öle. Sie empfahl mir Lo Stappo, La Vecchia Bottega und Trattoria San Marco. Es wurde San Marco, da die ersten beiden Restaurants mittags geschlossen waren. Und ja, dort genoss ich eine köstliche Tortellini di Valeggio, also Tortellini mit Butter und Salbei, ein traditionelles Gericht, für das das benachbarte Dorf Valeggio bekannt ist.

Übrigens: In Borghetto nennt man Tortellini auch “Nodi d’amore” – Liebesknoten – benannt nach der Legende vom Knoten im Taschentuch zweier Liebender. Diese Legende wird jedes Jahr am dritten Dienstag im Juni gefeiert: dem Festa del Nodo d’Amore. Man muss vorab reservieren, wenn man an der langen Tafel entlang der Visconti-Brücke Platz nehmen und handgemachte Tortellini von Spitzenköchen genießen möchte.
Padenghe sul Garda
Entlang der Südküste gibt es viele schöne Strandbars, aber Copelia bei Padenghe sul Garda ist einer meiner Favoriten. Warum? Es gibt einen schönen Strand, bunte Stühle auf der Terrasse und man kann dort hervorragend frühstücken und zu Mittag essen. Von Lachsbrötchen bis Pfannkuchen oder Obstsalat, von köstlichem Kuchen bis Pizza oder Croque-Monsieur. Offenbar haben die Italiener kein eigenes Wort für diesen französischen Toast. Wie an vielen Stränden am Gardasee kannst du auch hier Tretboote mieten.
Damit endet unser Rundgang durch die schönsten Orte im Süden des Gardasees – voller Geschichte, Genuss und mediterraner Lebensfreude. Doch der Gardasee hat noch weit mehr zu bieten: Im zweiten Teil meines Reiseblogs nehme ich dich mit an das Westufer des Gardasees, wo dich weitere beeindruckende Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele erwarten. Übrigens: Wer den See besonders intensiv erleben möchte, sollte das Campen am Gardasee ausprobieren. Entlang des Ufers findest du zahlreiche Campingplätze – von einfach und naturnah bis hin zu komfortabel ausgestattet – die dir nicht nur Freiheit und Flexibilität bieten, sondern auch traumhafte Ausblicke direkt auf den See.



